Da wir aktuell an einigen Plugins arbeiten, die wir im April veröffentlichen möchten, haben wir einen Blick auf die kommende WordPress-Version geworfen – und sind begeistert!
Im Gegensatz zu anderen Redaktionssystemen ist die nächste ganzzahlige Version kein besonderer Meilenstein, sondern schlicht der Nachfolger für die derzeitig aktuelle Version 2.9 mit dem Codename „Carmen“. Die Philosophie der Entwickler von Automattic ist in dieser Hinsicht erfreulich pragmatisch. Man setzt dort auf eine nachhaltige Entwicklung, die kontinuierliche Verbesserung von Grundfunktionen und verzichtet auf marketingwirksame, große Meilensteine.
Die nächste Version, die am 1. Mai erscheinen soll, bringt dennoch einige interessante Funktionen und liegt voll im Trend die Blog-Software auch als klassisches Redaktionssystem zu nutzen. Da schon die aktuelle Entwicklerversion sehr stabil läuft und alle neuen Funktionen (neues Standard-Theme, Menüverwaltung, individuelle Inhaltstypen,…) beinhaltet, wird der anvisierte Veröffentlichungstermin sicher eingehalten werden.
1. Neues Standard-Theme „TwentyTen“
Das Standard-Theme „Kubrick“ wird endlich durch einen zeitgemäßen Nachfolger abgelöst. Wir setzen schon seit 2008 auf das „K2“-Theme, welches ursprünglich mal als Nachfolger gehandelt wurde. Dieses Theme hatten wir noch weiter funktional aufgebohrt, so dass es aktuell fünf Sidebars hat, man Menüpunkte ausblenden kann und übliche Designeingriffe ohne Veränderungen an den Templates möglich sind.
Nun, mit TwentyTen, gehören die meisten dieser Funktionen zum Standardumfang von WordPress. Mal schauen, ob wir weiter auf unser modifiziertes K2 setzen oder auf das neue Theme umsteigen.
Rein optisch ist es sehr reduziert und bietet eine ausgezeichnete Basis für individuelle Anpassungen. Designer und Fotografen werden sicherlich glücklich sein mit diesem Theme, sollen bei ihnen doch die Inhalte wirken. Navigation und funktionale Elemente sollen gut bedienbar sein, aber sich optisch unauffällig unterordnen.
Eckdaten von TwentyTen:
- zweispaltig
- eine Sidebar mit Widgets
- Footer mit Widgets
- Dropdown-Menü integriert
- Benutzerdefinierte Headergrafik
- Benutzerdefinierter Background
- Hauptschrift ist „Georgia“
2. Benutzerdefiniertes Hintergrund- und Headerbild
Eine Funktion, die sicherlich von vielen WordPress-Nutzern ohne Programmierambitionen geschätzt werden wird, ist das einfache Hochladen einer individuellen Grafik für den body-Hintergrund (alles was bei einem großen Bildschirm noch um den Webseitenbereich sichtbar ist). Man kann eine große Grafik verwenden, aber auch kleine kacheln. Zusätzlich kann man die Ausgangspositionierung festlegen.
Das benutzerdefinierte Headerbild kennt man schon von Kubrick. Dort gab es die Wahl zwischen einem Bild und einem Farbverlauf. Neu ist die Auswahlmöglichkeit wie beim TwentyTen-Theme, bei der man aus einer Auswahl von vorher hochgeladenen Bildern auswählen kann.
3. Menü-Verwaltung
Ein absolutes Komfortplus von WordPress 3.0 ist seine Menü-Verwaltung. Ähnlich wie bereits bei den Widgets üblich, kann der Administrator sich seine Menüs bequem per Drag-n-Drop zusammen stellen. Dabei ist es sogar möglich externe Links mit einzubinden sowie Beitrags-Kategorien und Link-Listen.
Im Fall des neuen Standard-Themes TwentyTen bekommt man so ein erstklassiges Dropdown-Menü ohne zusätzliche Plugins installieren zu müssen.
Hinweis! Die aktuelle Alpha-Version hat in diesem Bereich noch einen Bug, d.h. die Untermenüpunkte lassen sich nicht korrekt hierarchisch ordnen, sondern verzweigen sich immer mehr in die Tiefe. Dieser Fehler taucht nur auf, wenn man anfängt Untermenüpunkte abweichend von ihrer Standardreihenfolge anzuordnen. Bis zum 1. Mai sollte man hier also noch aufpassen.
4. Weitere Inhaltstypen
Bisher gab es bei WordPress zwei grundsätzlich verschiedene Inhaltstypen – Beiträge und Seiten. Beiträge waren beispielsweise Neuigkeiten und Termine, also Inhaltstypen mit einem Zeitbezug, die man optional noch in Kategorien unterteilen konnte. Daneben gab es klassische Seiten, die man hierarchisch in Haupt- und Untermenüs anordnete und die die statischen Informationen beinhalteten.
In WordPress 3.0 kann man nun weitere Inhaltstypen anlegen, die im Redaktionsbereich auch jeweils einen eigenen Menüpunkt erhalten. Dies können beispielsweise Termine (mit Angabe von Ort, Eintrittspreis und Dauer) sein, aber auch Inhaltstypen, die noch mehr Informationsfelder benötigen wie z.B. Immobilienangebote (Geodaten, Quadratmeter, Lagebeschreibung, Kaution, etc.).
In der Vergangenheit gab es bereits einige Plugins, mit denen dies ebenfalls möglich war. Die Anwendung war jedoch häufig kompliziert und die Kompatibilität mit anderen Erweiterungen nicht immer gewährleistet. Mit der neuen Version wird dies zum allgemeinen Standard und wird sehr wahrscheinlich für eine Flut von interessanten Plugins sorgen.
Für uns ist dies die Hauptinnovation von WordPress 3.0!
5. Neue Tag-Verwaltung
Tags werden in WordPress 3.0 gleichberechtigt wie Kategorien behandelt. Die Verwaltung wurde angeglichen und man kann Tags nun auch hierarchisch ordnen – also Tags mit Untertags anlegen. Die Übernahme der Verwaltung für beide Bereiche ist begrüßenswert, da sie die Bedienung und Orientierung vereinfacht. Es wertet auch die Bedeutung von Tags auf, die im Gegensatz zu Kategorien häufig willkürlich vergeben werden. Was ebenso häufig zu völlig sinnlosen Tag-Clouds führt, mit Schlagworten, die es jeweils nur einmal gibt.
Es wird spannend wie sich diese Umstellung auf die Blogs auswirken wird, da bei einem Update die Tags einfach in die neue Verwaltung übernommen werden, was im Einzelfall zu seitenlangen Tag-Listen führen dürfte.
6. WordPress wird Multisite-fähig
Diese Funktion konnten wir bisher noch nicht nachvollziehen, aber mit der nächsten Version werden wohl WordPress und WordPressMu miteinander verschmolzen. Man kann anschließend beliebig viele weitere WordPress-Installationen als Subdomains anlegen.
Im Bereich Einstellungen soll es später für die Verwaltung der zusätzlichen Installationen den Menüpunkt „Netzwerk“ geben. Wir werden das weiter beobachten.
7. Individueller Administrator-Name und Kennwort
Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung in punkto Sicherheit. Wenn man ein WordPress neu einrichtet, wurde dafür bisher automatisch der Benutzer „admin“ angelegt und ein kryptisches Passwort verschickt. Ersteres war ungünstig, da potentielle Einbrecher zumindest diesen Benutzernamen schon kannten.
In der neuen Version kann man schon bei der Installation einen individuellen Benutzer mit einem Wunsch-Passwort anlegen. So wird dem Admin bei der Neueinrichtung das bisherige Anpassen des eigenen Passwortes erspart. Mehr Komfort und etwas mehr Sicherheit.
Fazit
WordPress 3.0 ist ein weiterer Schritt in sinnvoller Detailpflege. Für die Blog-Betreiber wird die neue Tag-Verwaltung eventuell Pflegeaufwand bedeuten, der sich aber mittelfristig durch eine bessere Orientierung im Beitragsdschungel auszahlen wird.
Für die steigende Anzahl an Nutzern, die WordPress als anwenderfreundliches und übersichtliches Redaktionssystem einsetzen, wird die neue Version ein Meilenstein. Die Integration eines frei konfigurierbaren Menüs und optionaler, weiterer Inhaltstypen hebt die Funktionalität von WordPress auf ein neues Niveau.
Wie schon angesprochen, waren diese Dinge bisher durch den Einsatz von Plugins auch schon möglich, aber der Einsatz war in großen Projekten noch heikel, da Inkompatibilitäten mit anderen Erweiterungen oder mit zeitnahen Updates bei nachfolgenden WordPress-Versionen drohten. Mit der Aufnahme in die Standardfunktionalität besteht diese Sorge nun nicht mehr.
Wir werden noch etwas warten mit dem Einsatz in Produktivseiten, aber zum Einsteigen in die neuen Funktionen ist die aktuelle Alpha-Version bereits bestens geeignet.





Ich habe mir vor 2 Tage die Alpha von WP 3.0 mal lokal installiert. Die Multisite-Funktion habe ich nicht finden können. Was aber auch am Alpha-Status gelegen haben könnte.
Danke für den Einblick in das neue WordPress. Mir scheint, als kämen wieder interessante Neuerungen auf uns zu. Gerade das einfache Einbinden des Headers dürfte Neulingen sehr entgegen kommen. Die Terminfunktion klingt ebenfalls sehr interessant. Nach diesem Artikel freue ich mich schon auf die nächste Version!
Ich möchte mich für den ausführlichen Blick auf WP 3.0 bedanken und bin schon sehr gespannt, ob der Wechsel problemlos klappen wird.
@Frank: Die Einstellungen zur Einrichtung mehrerer Blogs in einer Installation finden sich unter Tools, dort Network.
@Udo Unter “Tools” gibt es in den Entwicklerversionen (noch) keinen Menüpunkt der sich “Network” nennt. Jedenfalls zeigt er bei mir keinen an.
Erst muß dies in der wp-config.php aktiviert werden, indem die Zeile “define(‘WP_ALLOW_MULTISITE’, true);” eingefügt wird.
Ein aktualisierter Beitrag, der dies genau beschreibt, findet sich hier.
@André Danke für den Hinweis und siehe da, es Multisitet… :-D
hallo.
sehr guter bericht über wp 3.0
ich werde mich wohl nach langer zeit dann auch mal wieder damit beschäftigen…
vg. enno
Hi Enno, es lohnt sich auf jeden Fall. WordPress ist mittlerweile erwachsen geworden. Man muss nicht immer gleich mit TYPOlight & Co. ran. Der Schulungsaufwand ist viel geringer – das ist bei uns immer noch der Hauptentscheidungsgrund für den häufigen Einsatz.
Ahoi, Tobias
TYPOLight heisst jetzt Contao ;-)
Und der größte Vorteil von WordPress ist auch gleichzeitig der größte Nachteil: Der WYSIWYG Editor ()Klar, kann man abstellen, aber dann funktionieren viele PlugIns nicht mehr).
Und ich muss widersprechen: Der Schulungsaufwand bei WP ist mittlerweile recht hoch, weil jedes “Dings” sein eigenes kleines Design mitbringt. Bei Contao gibt’s nen Bleistift, ein Eingabefeld und ein Speichern Knopf – feddich.
Grüße aus Hamburch City
Hallo Ulf,
wir warten noch mit der Umbenennung des Systems hier bei uns auf Seite, bis die Version 2.9 offiziell erschienen ist. Generell kann man die Entscheidung der Entwickler aber verstehen. Das “light” im Namen ist schon lange überholt, mittlerweile kann man sehr komplexe Geschichten mit der Software realisieren. Und was TYPO3 angeht – da kennst du ja unsere Meinung. ;-)
Bezüglich WordPress muss ich dir allerdings widersprechen. WordPress ist weiterhin unsere erste Wahl, wenn es um kleine Redaktionssysteme geht oder Seiten, bei denen News und Feeds im Vordergrund stehen. Man darf Systeme nur nicht verbiegen wollen, und sie für Zwecke verwenden, für die sie nicht gedacht sind. Deswegen setzen wir auch verschiedene Systeme ein. Jedes hat seine individuellen Stärken. Der Aufwand, überall am Ball zu bleiben, ist natürlich groß.
Für größere Internetauftritte mit vielen statischen Inhalten, geschützten Bereichen und variierenden Layouts ist TYPOlight/Contao natürlich auch unsere erste Wahl.
Schau mal wieder vorbei bei uns!